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22.7.2014 : 21:20

Gastro.sophie Dezember 02 | Am laufenden Band

Auf der ersten Seite des Romans ‹Naokos Lächeln› von Haruki Murakami landet der Ich-Erzähler mit dem Flugzeug in Hamburg. Danach ist ihm aus bestimmten Gründen unwohl. Eine Stewardess erkundigt sich, was ihm fehle. Der Mann weicht erst aus, sagt dann aber etwas merkwürdig Intimes: «Ich kam mir nur ein bisschen verlassen vor.»

In Yoko’s Sushi Bar findet, wer will, ein Stück Verlassenheit, In- und Fürsichseins, Vergeblichkeit auch. Und das hat in erster Linie mit einem Förderband zu tun. Ein Förderband? Jawohl. Es kurvt gemächlich um die zentrale Bar herum, in die rückwärtige Küche hinein, macht dort kehrt und kommt wieder an die Bar zurück. Darauf fahren Tellerchen mit verschieden-farbigen Rändern und durchsichtigen Plastikhauben. Unter diesen sind appetitliche Happen zu sehen. Sie heissen Sushi und werden besonders von so genannt Kreativen geschätzt. Sushi ist nicht nur roher Fisch und anderes Meergetier, o nein, Sushi ist auch Rettich, Gurken, Avocado, Karotten, Spinat, Spargeln, prinzipiell alles, was man klein schneiden und mit Reis in Seetang rollen kann.

Das Förderband schenkt einem Zeit. Die Tellerchen mit farbigen Rändern (und je eigenen Preisen) kommen wieder und wieder am Platz vorbei. Hallo, Rettich-Maki, grüss dich, Lachs-Uramaki, auf Wiedersehn, orange glitzerndes Fischlaich-Futomaki. Hübsch seht ihr aus, bunt und aufgeräumt. Die kleinen Teller mit Plastikhauben erinnern irgendwie an Science-Fiction-Filme aus den Fünfzigern, als man tricktechnisch noch nicht so weit war, an UFOs, in unserem Fall fahrende Untertassen, mit seltsamer Besatzung. Man nimmt dann nach reiflichem Überlegen eins oder mehrere vom fahrenden Band, weg die Haube, köstlich marinierten Ingwer darauf oder von dieser Meerrettichpaste, die – Vorsicht! – direkt in die Stirnhöhlen fährt.

Fisch, Förderband, die ewige Wiederkehr. Mechanisch und unerbittlich läuft da etwas ab. Was war, kommt; was kommt, war. Es ist ein wenig wie Tagträumen. Hier fährt ja mein Teddy vorbei; und da der königsblaue Matchbox-R4; meine erste Armbanduhr, wasserdicht bis 50 Meter; der Freundschaftsring von Isabelle, das gestohlene Poesiealbum – haben Sie schon eine Agenda für 2003? Sonst wüsste ich zufällig eine, sehr japanisch diesmal, mit Sushi (UFOs) drin, von Karo Grafik, wie immer: very sophisticated. Zu haben in guten Buchhandlungen, z.B. bei Annemarie Pfister und Olymp & Hades. Hingehen, ansehen, heimtragen. | Oliver Lüdi

Yoko’s Sushi Bar, Steinentorstr. 35, T 281 40 90. Mo bis Fr 11.30—23.00, (14.00—17.00 kein Förderband!), Sa 16.00—23.30

Karo Agenda 2003, CHF 32 (Desk), CHF 26 (Pocket).

Quelle: Opens external link in new windowProgrammzeitung.ch